Sonntag, 25. März 2018

Nähwochenende und Nadelparkplätze

Es ist schon erstaunlich, wo überall Nadeln geparkt werden. Ich habe mal ganz unterschiedliche Aufbewahrungsmöglichkeiten mit der Kamera eingesammelt.Das reicht vom feingeschliffenen Edelthron aus Kirschholz (mit eingebautem Magnet) bis hin zur unförmigem schwarzen Filzbeule (die übrigens mir gehört):


Entstanden sind die Fotos bei einem wunderbaren Nähwochenende Mitte März.
Schon zum zweiten Mal trafen sich 13 Näh-Feen am Fuße der märchenhaften sächsischen Rochsburg. Im Muldenschlößchen direkt gegenüber wurden wir zweieinhalb Tage lang bestens umsorgt, während der Schneesturm eisig durchs Tal fegte. Hat uns aber so gar nicht gestört. Denn das Wichtigste war ein klar strukturierter Tagesablauf: Frühstück - Nähen - Mittagsimbiss - Nähen - Abendbrot - Nähen - Nähen - Schlafen und dann ging es wieder von vorne los.

Dieses unbekümmerte Vor-Sich-Hin-Arbeiten ohne anderweitige Verpflichtungen haben wir sehr genossen. Denn alle nähen doch ansonsten eher zwischen Familienalltag und Haushaltspflichten, Job und Waschmaschine, Mutti- und Oma-Taxi-Touren, Gassi-Gängen, Küchen- und Gartenarbeit... 

Ich habe eine Hose geschafft von der es demnächst Tragebilder gibt und meine Freundin Kira sogar einen kompletten Anzug:


Organisiert wurde dieses wunderbare Wochenende durch Doreen (Wolleliese), die zugleich auch für Nervennahrung in Form von Nähmaschinenkeksen und Eierlikör sorgte.
                      
Ich weiß allerdings gar nicht, warum meine Flasche schon am ersten Abend alle war... Trotz alkoholischer Genüsse ist außer der Hose noch eine hochsommerliche Bluse fertig geworden:

Und ich habe bei dieser Gelegenheit die kollektive Näherfahrung genutzt, um meine erste verdeckte Knopfleiste zu nähen - für eine Bluse oder ein Hemdblusenkleid. Die beim Zuschnitt gewählte Länge lässt beide Möglichkeiten offen. Und ich werde sehen, was mir besser gefällt. 
So, nun mache ich erstmal weiter mit Hemd-Blusen-Kleid-Libellen, damit ich bald das fertige Teil zeigen kann.
 

Donnerstag, 15. März 2018

Stoffdiät - Gruselstoffe

Ich  habe für meine Verhältnisse ordentlich was genäht im Januar und Februar: 13,00m Stoff wurden zu zwei Decken, drei Röcken (hier, hier und hier), einer Shorts und zwei Oberteilen. Eines davon ist aus einem coolen Karo-Jersey und für die Tochter:

Eine der beiden Decken - das Top ist inzwischen fertig - sie bekommt noch einen Extra-Post
Allerdings habe ich auch wieder gekauft und mein Lager mit 10,40m aufgefüllt. Also doch nur ein realer Stoffabbau von 2,60m. Nun ja, ich mühe mich redlich...
Beim heutigen Update (angeführt von Frau Küstensocke) geht es neben der Zwischenbilanz aber um unsere "Gruselstoffe". Das ist ja immer auch Geschmacks- und Typsache. Was für den einen ein schrecklicher Stoff ohne jegliche Inspiration ist, kann für den anderen genau das Stück sein, welches "spricht" und unter der Nähmaschine ein feines Teil wird. Richtig schlimme Lagerbestände habe ich gar nicht mehr, da ich zu Beginn der Stoffdiät Anfang 2017 schon einiges verschenkt und weggetauscht habe.
Aber vier, für meinen Geschmack schwierige Kandidaten, habe ich doch noch gefunden.
Da wäre dieser Chiffon mit Farbverlauf:

 

Eigentlich eine schöner Stoff, doch diese Rot-Lachs-Blau-Mischung ist irgendwie nicht meins. Auch über einen Maxirock habe ich schon nachgedacht, doch dafür gibt es dann wieder keine Oberteile in meinem Schrank...

Diese ebenfalls sehr dünne (durchsichtige) und außerdem dehnbare Viskose-Polymischung war ein Online-Fehlkauf und liegt bestimmt schon 8 Jahre hier rum: 
 
Immer wenn es Frühling wird drehe ich den Stoff hin und her, aber er bleibt stumm und auch mir fehlen die Worte und Ideen.
Diesen Baumwoll-Stretch habe ich erst seit dem Stoffmarkt im vergangenen Sommer:
Warum ich aber diese Farbe (unfotografierbar - irgendwas zwischen Grau/Grün/Braun) gekauft habe, ist mir heute ein Rätsel. Aber ich habe beschlossen, das wird jetzt eine Hose - und zwar ein Probeteil, da ich bisher fast gar keine Hosennäherfahrungen habe.

Und hier habe ich mich vor einigen Jahren im Material völlig vergriffen:
Ein Polytierchen von der ziemlich schlimmen Sorte, zwar weich im Fall, aber er knistert schon beim Hinschauen und "klebt" total. Nein, daraus möchte ich heute kein Sommerkleid mehr haben.

Und das war sie schon, die "Geisterbahntour" durch die Untiefen meines Stoffschrankes. Jetzt gehe ich mal schöne Stoffe zuschneiden, denn ein geselliges Nähwochenende steht an und ich will eine Hose und zwei Oberteile schaffen... gut für die Stoffbilanz. Ich werde berichten.

Mittwoch, 7. März 2018

Jupe Berlin

Es wird französisch heute, denn dieser Rock entstand nach einem Schnitt des Pariser Labels Orageuse. Damit bin ich heute beim MMM dabei, wo uns Katharina in einem sehr schönen Wickelkleid begrüßt.
Ich habe mich im vergangenen Herbst auf der Stelle und sofort in "Jupe Berlin" verliebt, als ich ihn auf Barbaras Blog entdeckte. Ganz schnell habe ich den PDF-Schnitt bestellt und mich ausnahmsweise mal nicht vom Ausschneiden und Zusammenkleben abschrecken lassen. Genervt hat es trotzdem, zumal das weiße Druckerpapier alle war...
Ich habe mir dann genügend Zeit genommen, die Anleitung mit  meinem Schulfranzösisch und dem Pons-Übersetzer zu verstehen. Funktionierte ganz gut, es gibt sie aber auch auf Englisch. Wichtigste Info: Nahtzugabe von einem Zentimeter ist im Schnitt enthalten! Als Stoffempfehlung steht hier: ein Stoff der sich gut bügeln lässt: Leinen, Baumwolle, Denim. Ich füge noch hinzu, dass ein leichter Stretch-Anteil für den Tragekomfort eines so schmalen Rockes von Vorteil ist. Ich habe mich deshalb für einen festen Baumwollstretch mit dezentem Fischgrät-Druck vom Stoffmarkt entschieden.
Als Größe habe ich für mich eine französische 42 ermittelt (= deutsche 40) und ohne Änderung genäht. Die bebilderte Anleitung war hilfreich, es gibt separate Schnitt-Teile fürs Futter und einen stark gebogenen Formbund, der wirklich tadellos sitzt.
Außerdem enthält der Schnitt neben der langen Rockversion auch eine kurze, bei der das Vorderteil im Stoffbruch zugeschnitten werden kann.
Der Clou aber sind die geräumigen Taschen, welche sich hinter den beiden vorderen Falten befinden. Sie werden mit etwas Spielraum eingenäht, so dass sie leicht "pludrig" sind. Auf dem Foto sieht man das ganz gut. Gefüttert habe ich den Rock mit einem dunkelblauen Stretchfutter.

In dieser Länge habe ich keine schmalen Röcke und ich hatte mir bis zum Schluss die Option offen gehalten, den Rock noch zu kürzen. Meine Töchter meinten aber, die Länge sei sehr cool - sowohl mit Stiefeln als auch mit Sneakern oder Pumps.
Also bleibt er erst mal so und wird auf seine Alltagstauglichkeit getestet. Riesenschritte, Rennen oder Fahrradfahren geht schon mal nicht...aber dafür ist er halt so wunderbar französisch.
Neben vielen französischen Nähbeispielen findet man auch bei Sandra (Rehgeschwister) und Claudia (Bunte Kleider) diesen sehenswerten Rock.


Zusammenfassung:
Schnitt: Jupe Berlin von Orageuse, Gr. 42 ohne Änderungen (den Schnitt gibt es von franz. 34 bis 46)
Stoff: BW-Stretch vom Stoffmarkt (10€ pro Meter), Stretchfutter von Karstadt (12€/m)
Fotos: die Tochter