Sonntag, 26. November 2017

Weihnachtskleid Stoff und Schnitt und Hilferuf

Eigentlich war alles klar fürs gemeinsame Weihnachtskleidnähen beim MMM: Stoffschatz lag bereit und die November-Burda habe ich nur wegen dieses Schnittes gekauft:
Jetzt habe ich aber mal genau gelesen und Burda empfiehlt für diesen Schnitt Stoffe mit etwas Stand. Mein Stoff, ein weicher Wollflanell hat leider so gar keinen Stand. Ja und nun stehe ich hier und traue mich nicht an diesen tollen Schnitt, der nicht zu meine schönen Stoff zu passen scheint...Oder seht ihr das anders? 
Alternativ habe ich in der Fashion Style noch dieses Modell gefunden. Es wird Trikotstoff verlangt. Mein Flanell hat einen geringen Elasthananteil und da das Kleid im Rücken einen Reißverschluss hat, könnte es auch funktionieren. Die vordere Teilungsnaht erschließt sich mir nicht, da sie ganz gerade ist - wäre also ein Zuschnitt im Stoffbruch möglich und bei dem Karomuster wohl auch besser. 
Was soll ich tun? Ich brauche nun doch dringend Eure Ratschläge. Denn eigentlich will ich an einem der nächsten Abende zuschneiden...


Dienstag, 21. November 2017

Jeans-Refashion



Inspiriert von diesem Blouson habe ich aus drei alten Jeanshosen eine neue Jacke für meine Jüngste gemacht.
Schon lange wollte ich mich an solch einem Upcycling-Projekt probieren und auch ein Blouson stand auf der Nähliste. Nicht für mich, das war klar, aber für meine Tochter. Obwohl ich einen ganzen Stapel ausrangierter Jeanshosen habe, waren ihre Ansprüche speziell: Nur ähnliche Farbtöne, keine Taschen- oder Bundelemente verwenden dafür aber unbedingt abgenutzte Stellen oder Löcher nutzen. Ah ja... Zu einer eigenen Hose gesellten sich schließlich noch die meiner Schwägerin und die einer Freundin (Danke Corina und Anja 👍).
Ich habe bei allen Hosen direkt unter den Gesäßtaschen die Beine abgeschnitten und die einfachen Nähte (am inneren Hosenbein) aufgetrennt und alles gut gebügelt. Die abgewetzten Stellen habe ich mit Vlies hinterlegt und stabilisiert und bei den Löchern habe ich mit weißem BW-Stoff gedoppelt.

Die "Used-Stellen" sollten unbedingt einbezogen werden
Um nicht zu wild zu mixen, habe ich je eine Hose für die Ärmel, eine für den Rücken und eine für das Vorderteil genutzt. Verwendet habe ich den Blousonschnitt Modell 37 aus "Meine Nähmode" 5/2014. Da meine Tochter sehr groß ist, habe ich die Teile 5 cm verlängert. Es gibt Seitennahttaschen  und passendes gestreiftes Futter fand sich noch im Lager - gut für den Stoffabbau.
Erstmals habe ich bei meiner neuen Nähmaschine den Dreifachgradstich ausprobiert und die neuen Nähte mit orangem Faden genauso abgesteppt wie die vorhandenen Nähten der alten Jeans. 

Das funktionierte ziemlich gut. Die Jacke ist nicht wirklich wintertauglich aber bei Temperaturen um die 10°C passt das schon. Dem Kind gefällt sie und ich habe mal was Neues ausprobiert.
Verlinkt beim Creadienstag

Sonntag, 19. November 2017

Stoffdiät - 5. Zwischenstand

Dass es gut ist, für spontane Projekte auch immer ein wenig Stoff im Lager zu haben, zeigen diese weihnachtlichen Platzdeckchen.
Keine Ahnung, wie lange das bedruckte Leinen schon hier liegt - jetzt kam es mir gerade recht, da ich ganz kurzfristig eine Geburtstagsgeschenk brauchte.
Ruckzuck sind an einem Sonnabendnachmittag 0,5m Sternchenstoff und 1m rotes BW-Leinen-Gemisch vernäht. Die Deckchen sind gedoppelt und mit ordentlichen Briefecken gearbeitet. Da hat unterm Strich das Bügeln länger gedauert als das Nähen...
Und diese Art der Resteverwertung passt super zum aktuellen Motto der Stoffdiät bei Frau Küstensocke: "Geschenke für Weihnachten sind prima für Reste" Vielleicht folgen noch ein paar Tischsets für den Gabentisch...
Seit fast einem Jahr bemühen wir uns gemeinsam darum, Stoffberge abzubauen und wenn, dann nur sehr kontrolliert neue Stoffe ins Haus zu holen. Bis vor vier Wochen sah meine Gesamtjahresbilanz gar nicht so schlecht aus:
68m Stoff noch im Lager von ursprünglich 87m im Januar
Aber am 21. Oktober war Stoffmarkt und ich habe Stoff gekauft - immerhin mit Zettel und Plänen für konkrete Projekte, keine spontanen Lustkäufe.
Die ganzen Sweatstoffe werden Weihnachtswunsch-Pullis und ein gemütlicher Cardigan für mich.
Strickstoff und Steppfutter wurden schon zu dieser Jacke für das große Tochterkind verarbeitet. Es fehlen noch Reißverschluß und Ärmelbündchen.  
Doch eigentlich ist sie fast fertig und damit sind die neuen Stoffe also schon wieder raus aus der Kauf-Statistik. Genauso wie die 1,50m Jaquardsweat für diesen Hoodie:
Trotzdem bleibt unterm Strich ein Neuzugang im Stofflager von 14m.
Dabei ist auch ein traumschöner Wollflanell, der mit diesem Burda-Schnitt mein Weihnachtskleid beim MMM werden soll.
Und einer dieser beiden Stoffe (leicht stretchiger fester BW-Stoff - Bengalin?) wird unbedingt dieser Rock "Jupe Berlin" (die lange Version mit Schlitz) vom französischen Label Orageuse, in den ich mich auf diesem Blog total verliebt habe.




 














Genug Stoff-Vorräte und Projekte also für die kalte Jahreszeit, in der mir der ruhende Garten mehr Zeit an der Nähmaschine beschert. Aber ich gebe zu, meine Cousine hat nicht so unrecht, wenn sie sagt, es sei bei meiner Stoffdiät doch immer so ein JoJo-Effekt dabei...

Sonntag, 12. November 2017

Dirndl und Lederhosen

Es geht heute um Handgenähtes wie immer auf meinem Blog - aber diesmal um die hervorragende Arbeit anderer Menschen. Bei einem Kurzbesuch in Bayern konnte ich in einer Dirndl-Schneiderei und in einer Säcklerei in die Werkstatt schauen.
Wir waren anlässlich der Leonhardi-Fahrt im Tölzer Land unterwegs. Ein traditionelles Fest, welches immer am 5. oder 6. November stattfindet und bei dem der heilige Leonhard (der Schutzpatron der Arbeitstiere) gefeiert wird. Eine Wallfahrt mit Pferd und Wagen, viel Tradition und Tracht (um es mal auf den kurzen Nenner einer Auswärtigen zu bringen):
Erntedankwagen Benediktbeuern
 
Wir haben in Dietramszell die Dirndl-Werkstatt von Uschi Disl besucht. Wem der Name bekannt vorkommt - ja, das ist die Mutter der Uschi Disl, die in den neunziger Jahren Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Biathlon war.
Ich habe über die Handwerkskunst gestaunt und hätte Stunden hier verbringen können. Schaut Euch einmal dieses steife Mieder an:
Es besteht aus 4 Einzelteilen und 4 Lagen Stoff plus Bügelvlies. Das Muster wird abgesteppt und mit Füllwatte und Peddigrohr werden die erhabenen Stellen herausgearbeitet. Letztlich wird es in Form gebügelt und mit einer Silberkette und Haken verschlossen. 45 Arbeitsstunden stecken darin - unglaublich! Der Zackenrand übrigens wird komplett mit der Hand genäht. Hier seht Ihr ein ähnliches Mieder für ein Hochzeitsgewand, mit eingestickten Initialen der Braut auf dem Rücken:

Um die 600 € kann so ein einzelnes Mieder kosten. Ein maßgeschneidertes Dirndl mit Schürze liegt bei 1200 €. Nach oben sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Verständlich, wenn man diese Details sieht. 
Froschgoscherl mit handgenähten Perlen
handgenähte Knopflöcher

 
 

Uschi Disl zeigt einen Spenzer...
...eine  Schößchenjacke  mit perfekter Innenverarbeitung
 
Selbst die Ösen am Rock werden nicht einfach sondern ausgesprochen schön angenäht.
 Einen Reißverschluss findet man hier übrigens nirgends ;)
Die Stoffe sind oft Seide oder Halbseide. Aber auch hochwertige Polyester nutzt Frau Disl, weil sie pflegeleicht sind. 1200 verschiedene Stoffe hat sie direkt in ihrem Laden zu Auswahl: 
Rund 150 Dirndl schneidern Uschi Disl und ihre 12 Angestellten im Jahr, Trotzdem vergehen von der Bestellung und vom Maßnehmen bist zum fertigen Dirndl 6 Monate. Doppelt solange wartet Mann auf eine maßgeschneiderte Lederhose. Wie die entsteht, habe ich mir bei der Säcklerei Bammert in Lenggries angeschaut. Susanne Schöffmann führt den von ihrem Vater gegründeten Betrieb und fertigt mit ihrem kleinen Team rund 200 Lederhosen im Jahr.
Hier wird Hirsch- oder Elchleder verarbeitet, welches mit Fischtran gegerbt wird. Gefärbt werden die Häute nur auf einer Seite. Deshalb sind die Hosen innen hell. Die einzelnen Teile werden zugeschnitten (es gibt einen Grundschnitt, der bei jedem Kunden angepasst wird) und dann bestickt.
Dazu wird Maulbeerseide verwendet und eine ganz normale Nadel - keine Ledernadel, weil die mit ihrer Messerspitze das Leder schneidet und an dieser Stelle die Hose später kaputt gehen könnte. Für die Motive gibt es Vorlagen, aufgetragen wird mit Federkiel und Gummiarabicum.
Es wird nicht durchgestochen, sondern (von hinten unsichtbar) im Leder die Nadel wieder nach oben geführt.
Das Motiv "Grüner Hirsch mit Eichel" dauert 8 bis 10 Stunden. Nach dem Sticken werden die Einzelteile mit einem Kleber aus Roggenmehl und Wasser "geheftet" und genäht.
 Die fertige Hose kostet dann zwischen 1000 und 1500 €, je nachdem wie viel Stickerei dabei ist. Auch alte Hosen werden hier repariert oder geändert. Wobei letzteres gar nicht so oft nötig ist, denn jede Lederhose hat eine Toleranz von 5 bis 10 Kilo durch die hintere Schnürung und die Knöpfe am vorderen Latz.
Übrigens führt in unmittelbarer Nähe der Werkstätten der Isar-Radweg vorbei. Eine Empfehlung für alle, die Aktivurlaub lieben. Wer mehr wissen will, schaut einfach hier mal vorbei: https://www.toelzer-land.de/
Wildflusslandschaft Isartal
Auf dem Isarradweg Richtung München