Sonntag, 19. November 2017

Stoffdiät - 5. Zwischenstand

Dass es gut ist, für spontane Projekte auch immer ein wenig Stoff im Lager zu haben, zeigen diese weihnachtlichen Platzdeckchen.
Keine Ahnung, wie lange das bedruckte Leinen schon hier liegt - jetzt kam es mir gerade recht, da ich ganz kurzfristig eine Geburtstagsgeschenk brauchte.
Ruckzuck sind an einem Sonnabendnachmittag 0,5m Sternchenstoff und 1m rotes BW-Leinen-Gemisch vernäht. Die Deckchen sind gedoppelt und mit ordentlichen Briefecken gearbeitet. Da hat unterm Strich das Bügeln länger gedauert als das Nähen...
Und diese Art der Resteverwertung passt super zum aktuellen Motto der Stoffdiät bei Frau Küstensocke: "Geschenke für Weihnachten sind prima für Reste" Vielleicht folgen noch ein paar Tischsets für den Gabentisch...
Seit fast einem Jahr bemühen wir uns gemeinsam darum, Stoffberge abzubauen und wenn, dann nur sehr kontrolliert neue Stoffe ins Haus zu holen. Bis vor vier Wochen sah meine Gesamtjahresbilanz gar nicht so schlecht aus:
68m Stoff noch im Lager von ursprünglich 87m im Januar
Aber am 21. Oktober war Stoffmarkt und ich habe Stoff gekauft - immerhin mit Zettel und Plänen für konkrete Projekte, keine spontanen Lustkäufe.
Die ganzen Sweatstoffe werden Weihnachtswunsch-Pullis und ein gemütlicher Cardigan für mich.
Strickstoff und Steppfutter wurden schon zu dieser Jacke für das große Tochterkind verarbeitet. Es fehlen noch Reißverschluß und Ärmelbündchen.  
Doch eigentlich ist sie fast fertig und damit sind die neuen Stoffe also schon wieder raus aus der Kauf-Statistik. Genauso wie die 1,50m Jaquardsweat für diesen Hoodie:
Trotzdem bleibt unterm Strich ein Neuzugang im Stofflager von 14m.
Dabei ist auch ein traumschöner Wollflanell, der mit diesem Burda-Schnitt mein Weihnachtskleid beim MMM werden soll.
Und einer dieser beiden Stoffe (leicht stretchiger fester BW-Stoff - Bengalin?) wird unbedingt dieser Rock "Jupe Berlin" (die lange Version mit Schlitz) vom französischen Label Orageuse, in den ich mich auf diesem Blog total verliebt habe.




 














Genug Stoff-Vorräte und Projekte also für die kalte Jahreszeit, in der mir der ruhende Garten mehr Zeit an der Nähmaschine beschert. Aber ich gebe zu, meine Cousine hat nicht so unrecht, wenn sie sagt, es sei bei meiner Stoffdiät doch immer so ein JoJo-Effekt dabei...

Dienstag, 14. November 2017

Hoodies für Halbstarke

Dieser Pullover war eigentlich ein Weihnachtswunsch, 2016 wohlgemerkt. Das Wichtigste dabei: der Tube-Kragen mit Kordel. So einen wollte mein Neffe, weil auch sein Papa solch einen Sweater trägt. Ein solches Teil in Größe 164 zu kaufen, stellte sich aber als schwierig raus. Denn viele Hersteller verzichten aus Sicherheitsgründen bei Kindersweatern auf den Kordeldurchzug.
Also selber nähen. Ich hatte den Schnitt "Nelly" von Pattydoo hier liegen, der eigentlich für Frauen ist und von Größe 32 bis 54 reicht. (Hoffentlich liest das mein Neffe nicht...)
Für den Jungen habe ich den Schnitt in der Taille einfach begradigt  und in dieser ersten dunkelblauen Version in Größe 34 genäht (als Pendant zu Kindergröße 164) und bei den Ärmeln etwas Länge zugegeben. Als Stoff habe ich einen leicht angerauten kaum elasthischen Sweat verwendet und farblich passenden blaugrauen Bündchenjersey.
Die Ösen habe ich mit grauen Lederesten verstärkt - wie gut , dass ich nur selten etwas wegschmeißen kann. Das gilt auch für den Londonaufnäher. Keine Ahnung, wo der mal her ist. Von einer alten Jeans abgetrennt?
Leider saß der Hoodie sehr spack. Irgendwie hatte ich das Wachstumstempo bei Teenies unterschätzt. So hat sich der junge Mann zwar über das Geschenk zu seinem 13. Geburtstag im August gefreut, konnte ihn aber nur wenige Male anziehen. Also musste ein neuer Hoodie her - diesmal Größe 40 (entspricht wahrscheinlich so etwa Gr. 176) und aus einem Stoff mit mehr Elasthananteil.
Beim Stoffmarkt im Oktober habe ich an einem rappelvollen Stand diesen coolen Sweat erkämpft. Die Nähte sind farblich abgesetzt und ich habe einen Zierstich ausprobiert. Gefällt mir.

 Leder-Ösenlöcher wie gehabt und diesmal einen American-Football-Aufnäher für den Fan der hiesigen Dresden Monarchs. Vielleicht spendiert der junge Mann bei Gelegenheit noch ein Tragefoto, dann reiche ich das nach. Voilà,da ist es:
Verlinkt bei creadienstag und Made4BOYS
Zusammenfassung:
Stoff 1: angerauter BW-Sweat aus einem Stoffladen in Hannover 1,50m  (12 €/m)
Stoff 2: Jaquard-Sweat vom Stoffmarkt (Traumbeere) 1,50m  (14 €/m)
Schnitt: Hoodie "Nelly" von Pattydoo, Größe 40, Ärmel um 4cm verlängert und in der Taille begradigt
Fotos: von mir
 
 
 

Sonntag, 12. November 2017

Dirndl und Lederhosen

Es geht heute um Handgenähtes wie immer auf meinem Blog - aber diesmal um die hervorragende Arbeit anderer Menschen. Bei einem Kurzbesuch in Bayern konnte ich in einer Dirndl-Schneiderei und in einer Säcklerei in die Werkstatt schauen.
Wir waren anlässlich der Leonhardi-Fahrt im Tölzer Land unterwegs. Ein traditionelles Fest, welches immer am 5. oder 6. November stattfindet und bei dem der heilige Leonhard (der Schutzpatron der Arbeitstiere) gefeiert wird. Eine Wallfahrt mit Pferd und Wagen, viel Tradition und Tracht (um es mal auf den kurzen Nenner einer Auswärtigen zu bringen):
Erntedankwagen Benediktbeuern
 
Wir haben in Dietramszell die Dirndl-Werkstatt von Uschi Disl besucht. Wem der Name bekannt vorkommt - ja, das ist die Mutter der Uschi Disl, die in den neunziger Jahren Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Biathlon war.
Ich habe über die Handwerkskunst gestaunt und hätte Stunden hier verbringen können. Schaut Euch einmal dieses steife Mieder an:
Es besteht aus 4 Einzelteilen und 4 Lagen Stoff plus Bügelvlies. Das Muster wird abgesteppt und mit Füllwatte und Peddigrohr werden die erhabenen Stellen herausgearbeitet. Letztlich wird es in Form gebügelt und mit einer Silberkette und Haken verschlossen. 45 Arbeitsstunden stecken darin - unglaublich! Der Zackenrand übrigens wird komplett mit der Hand genäht. Hier seht Ihr ein ähnliches Mieder für ein Hochzeitsgewand, mit eingestickten Initialen der Braut auf dem Rücken:

Um die 600 € kann so ein einzelnes Mieder kosten. Ein maßgeschneidertes Dirndl mit Schürze liegt bei 1200 €. Nach oben sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Verständlich, wenn man diese Details sieht. 
Froschgoscherl mit handgenähten Perlen
handgenähte Knopflöcher

 
 

Uschi Disl zeigt einen Spenzer...
...eine  Schößchenjacke  mit perfekter Innenverarbeitung
 
Selbst die Ösen am Rock werden nicht einfach sondern ausgesprochen schön angenäht.
 Einen Reißverschluss findet man hier übrigens nirgends ;)
Die Stoffe sind oft Seide oder Halbseide. Aber auch hochwertige Polyester nutzt Frau Disl, weil sie pflegeleicht sind. 1200 verschiedene Stoffe hat sie direkt in ihrem Laden zu Auswahl: 
Rund 150 Dirndl schneidern Uschi Disl und ihre 12 Angestellten im Jahr, Trotzdem vergehen von der Bestellung und vom Maßnehmen bist zum fertigen Dirndl 6 Monate. Doppelt solange wartet Mann auf eine maßgeschneiderte Lederhose. Wie die entsteht, habe ich mir bei der Säcklerei Bammert in Lenggries angeschaut. Susanne Schöffmann führt den von ihrem Vater gegründeten Betrieb und fertigt mit ihrem kleinen Team rund 200 Lederhosen im Jahr.
Hier wird Hirsch- oder Elchleder verarbeitet, welches mit Fischtran gegerbt wird. Gefärbt werden die Häute nur auf einer Seite. Deshalb sind die Hosen innen hell. Die einzelnen Teile werden zugeschnitten (es gibt einen Grundschnitt, der bei jedem Kunden angepasst wird) und dann bestickt.
Dazu wird Maulbeerseide verwendet und eine ganz normale Nadel - keine Ledernadel, weil die mit ihrer Messerspitze das Leder schneidet und an dieser Stelle die Hose später kaputt gehen könnte. Für die Motive gibt es Vorlagen, aufgetragen wird mit Federkiel und Gummiarabicum.
Es wird nicht durchgestochen, sondern (von hinten unsichtbar) im Leder die Nadel wieder nach oben geführt.
Das Motiv "Grüner Hirsch mit Eichel" dauert 8 bis 10 Stunden. Nach dem Sticken werden die Einzelteile mit einem Kleber aus Roggenmehl und Wasser "geheftet" und genäht.
 Die fertige Hose kostet dann zwischen 1000 und 1500 €, je nachdem wie viel Stickerei dabei ist. Auch alte Hosen werden hier repariert oder geändert. Wobei letzteres gar nicht so oft nötig ist, denn jede Lederhose hat eine Toleranz von 5 bis 10 Kilo durch die hintere Schnürung und die Knöpfe am vorderen Latz.
Übrigens führt in unmittelbarer Nähe der Werkstätten der Isar-Radweg vorbei. Eine Empfehlung für alle, die Aktivurlaub lieben. Wer mehr wissen will, schaut einfach hier mal vorbei: https://www.toelzer-land.de/
Wildflusslandschaft Isartal
Auf dem Isarradweg Richtung München
 

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Schwarz-weiß oder Hahnentritt mit Kater

Mein neuer Pullover ist fertig:
Eigentlich ein relativ einfacher Oversizeschnitt (ich habe deshalb auch Größe 38 und nicht 40 wie sonst gewählt) mit Raglanärmeln, doch der Kragen hat mich ziemlich genervt.
 


Der Schnitt sieht eigentlich zwei Reißverschlüsse vor, aber das war mir zu viel Getüddel und ich habe mich nur für einen entschieden.
Der wird extra in den Ärmel gebastelt...Keine Ahnung, warum er nicht in die Naht zwischen Ärmel und Vorderteil integriert wird. Statt dessen habe ich dort eine selbstgemachte Paspel aus Kunstleder-Jersey eingefügt. Aus diesem Material sind auch die Bündchen. Der Schnitt sieht keine vor, aber das zieht mir zu sehr vorne in die Ärmel rein.
  Ach ja, ich wollte doch noch was zum Kragen sagen. Der sah nämlich beim ersten Versuch so aus:
Inakzeptabel, da viel zu eng. Man muss kein Schilddrüsenproblem haben, um schon beim Hinschauen Atemnot zu bekommen. Das sah auf dem Foto in der Zeitschrift irgendwie bequemer aus.
Und so habe ich zwei weitere Versuche gestartet, einen luftigen Stehkragen nach eigener Konstruktion bei erweitertem Ausschnitt hinzubekommen - zum Glück war genügend Stoff da. Ganz optimal ist er immer noch nicht. Er steht hinten etwas ab, aber das bleibt jetzt so.
"Hallo Sammy, was machst Du denn hier?" Wahrscheinlich findet der Kater, dass er mit seinem schwarz-weiß Look hervorragend ins Bild passt...
Der Baumwoll-Poly-Hahnentritt (oder ist es doch eher Karo?) stammt aus meinem Lager (gut für den Stoffabbau) aber er ist nicht optimal. Denn das schöne, etwas erhabene Muster außen ist wohl der 70prozentige Baumwollanteil und die 30 Prozent Polyester befinden sich netzartig auf der linken Stoffseite und somit auf der Haut. Na, mit einem Shirt oder Top drunter geht es. Und darüber trage ich heute auf dem Weg zur Arbeit noch meine vielgeliebte Burda-easy-Jacke. Mit diesem Outfit treffe ich mich heute beim MMM mit anderen Selbernäherinnen und mit Katharina, die einen tollen Vintage-Mantel präsentiert. 
Zusammenfassung:
Stoff: leicht dehnbares BW-Polygemisch aus dem Stofflager (wahrscheinlich von Buttinette) 1,50m
Schnitt: Modell  3 aus Fashion Style 10/2016, Größe 38, Kragen neu konstruiert, da im Original zu eng und einen der beiden Schulterreißverschlüsse wegelassen
Fotos: die Tochter