Mittwoch, 12. Juli 2017

Stoffe kaufen in Barcelona

Wie im letzten Stoffdiät-Post versprochen, heute meine Empfehlung für alle, die in den kommenden Wochen einen Abstecher nach Barcelona planen. Ich habe in zauberhaften Geschäften gestöbert (in der Zusammenfassung am Ende des Posts habe ich alle Adressen notiert) als ich Ende Juni da war. In selbst genähter Kleidung, versteht sich:
Ich empfehle als erstes "Ribes&Casals". Ein Stoffladen mit über 80jähriger Tradition:


1000m² auf zwei Etagen - vom Möbelstoff bis zum edlen Anzugtuch gibt es hier alles, auch die passenden Kurzwaren
Das Geschäft ist riesig und man muss Zeit mitbringen, vor allem die Auswahl an Spitzen- und Pailettenstoffen ist unglaublich:

Preislich ist die Spanne relativ groß, von sehr günstig (ab 5€/m) bis teuer. Ich habe nur männliche Verkäufer  (in gut sitzenden Anzügen) gesehen und wurde fachkundig bedient. Wobei mein Mann mich gut beraten hat (wie das Foto beweist). Schließlich will er mit mir ausgehen, wenn aus dem nachtblauen Stretch-Satin (6€/m) und der Spitze (10€/m) ein Abendkleid geworden ist.
Gleich daneben und direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite gibt es zwei weitere Stoffgeschäfte, wobei "La Casa del Retall" auf Jersey und Patchworkstoffe spezialisiert zu sein scheint.
In der Nähe der Kathedrale fanden wir das wunderbare Kurzwarengeschäft "Santa Ana":
Musterbücher, Knopfpappen, meterhohe Einbauregale mit unzähligen Schubläden - hier ist die Zeit stehen geblieben und es gibt nichts an Zubehör, was es nicht gibt.
Gekauft habe ich hier allerdings nichts, da ich keine konkreten Pläne hatte, wobei ich die Knopfpreise sehr moderat fand: die 4 bis 5cm großen kosten 2€ pro Stück, die kleinen lagen bei 0,60 bis 0,80€.

Die Verkäuferinnen finden in diesen Schüben wirklich alles
Und diese Fächer sind keine billigen Souvenirs, sondern wirklich ausgesprochen schön und hochwertig verarbeitet (Stoff, Spitze und Holz). Kostenpunkt 25 bis 50€


Hier noch die genauen Adressen:
Ribes & Casals, Carrer de Roger de Lluria 7, http://www.ribescasals.com/
Donna Teixits, Carrer de Roger de Lluria 6, http://www.tejidosdonna.com/
La Casa del Retal, Carrer la Menta 12, http://lacasadelretal.com/
Kurzwaren Santa Ana, Avinguda del Portal de l'Àngel 26, http://www.merceriasantaana.com/
Alle vier Geschäfte erreicht man am besten mit den U-Bahn-Linien 1 und 4, Station Urquinaona

Montag, 10. Juli 2017

Stoffdiät - 3. Zwischenstand

Ich muss gestehen, ich habe nicht diätet, ich habe Stoffe gekauft. In Hannover und Barcelona. Und es waren gar nicht die Stoffe selbst, sondern die Läden, die mich in ihren Bann zogen:
So etwas wie bei Bastian-Stoffe in Hannover (Grupenstraße 9, am Übergang von der Einkaufsmeile zur Altstadt) habe ich noch nicht gesehen. Ein kleines, von außen unscheinbares Geschäft, in dem sich die Stoffballen bis unter die Decke stapeln. Keine Chance, hier irgendein System zu erkennen oder gar etwas bestimmtes zu finden. Weder nach Farben noch nach Stoffarten, -qualitäten oder Preis ist hier etwas geordnet. Beim Hindurchschlängeln läuft man Gefahr, dass einem ein Ballen in den Nacken stürzt.
Zwischen diesen Stoffmassen agiert aber mit schlafwandlerischer Sicherheit der Inhaber Peter Bastian. (leider habe ich mich nicht getraut, ihn zu fotografieren). Ein großer hagerer Mann, der schätzungsweise auf die Achtzig zugeht. Ich suchte einen grauen Viskosejersey passend zu einem Stoffmarktrapport für das Silberhochzeitsgastkleid. Schnell waren mit seiner Hilfe zwei passende Grautöne gefunden (ich nahm beide, da ich mich nicht gleich entscheiden konnte und bekam Rabatt) und einen halben Rest-Meter royalblaue wunderbar griffige Microfaser erstöberte ich noch in dem Stoffchaos. Der Laden und sein Inhaber sind wirklich einmalig. Ein Stofferlebnis der besonderen Art. Beide Jerseys sind jedenfalls vernäht; ein noch unverbloggtes Tochterkleid ist aus dem zweiten Stoff entstanden.

 Aber bei meinen Bestandsstoffen hat sich halt gar nix getan. Statt dessen habe ich inzwischen noch dunkelblauen Sweat und Bündchenstoff gekauft, aus denen ein Pattydoo-Hoodie (ein Geburtstagsgeschenk) werden soll.

Und dann war ich Ende Juni zwei Tage in Barcelona. Im traditionsreichen Geschäft Ribes&Casals (dazu gibt es noch einen Extra-Post) bin ich schwach geworden. Diese gestreifte und "bekleckste" Baumwolle (mit Stretchanteil) musste mit und soll ein weiter Rock werden. Und die nachtblaue (wirkt auf dem Foto leider violett-stichig) Spitzen-Satin-Kombination will ich in ein langes Abendkleid verwandeln.
 Also für fast alle Neukäufe gibt es zumindest konkrete Projekte, auch wenn das Stofflager dadurch keinen Zentimeter weniger wird. Hach...

Hier die Zahlenbilanz seit Januar:

Vernäht:27,5m
Verschenkt: 11,5m
Gekauft: 34m

Von ursprünglich 87 Metern Stoff befinden sich also immer noch 81 Meter im Lager. Allerdings sind davon 10 Meter mit konkreten Projekten verplant. Ich hoffe also auf etwas Nähzeit im Sommerurlaub und möglichst wenige Verführungen durch schrille, traditionelle, schräge, architektonisch schöne, erlebnisorientierte oder sonstwie geartete Stoffgeschäfte. Wenn Ihr wissen wollt, wie es den anderen Diät-Mitstreiterinnen bei der gemeinsamen Aktion von Frau Küstensocke so ergangen ist, dann schaut hier
 

Donnerstag, 22. Juni 2017

Unterkleid

Mein erstes Unterkleid - dünn, glatt und dehnbar. Alles Stoffeigenschaften, die ich bisher für eine große Nähmaschinenherausforderung hielt. Aber mit meiner neuen Brother ging das besser als gedacht.

Ermutigt hat mich Sylvia (Frauenoberbekleidung), die ihre vielen schönen Jerseykleider niemals ohne selbst geschneiderte Unterkleider trägt. Sie war es auch, die mir den Schnitt geliehen hat: Butterick 6031. Lieben Dank nochmal, ich bin super zurecht gekommen 👍. Den Schnitt gibt es übrigens nicht nur in verschiedenen Konfektionsgrößen, sondern auch in Cup A, B, C und D

Ich habe Größe 38/Cup C genäht, auf die Spitze verzichtet und stattdessen am unteren Vorderteil 2,5cm Stoff zugegeben. Das obere Vorderteil ist gedoppelt und das Gummiband habe ich beim Annähen ganz leicht straff gezogen. An den Seiten elastische Doppelnähte und dann ganz knappkantig abgeschnitten - das sieht sauber aus, denn bei dem Microfasergewebe franst nix aus. An einem freien Nachmittag genäht, wird es sicher nicht das einzige Unterkleid bleiben.
Verlinkt: RUMS

Mittwoch, 14. Juni 2017

In Silbergrau zur Silberhochzeit


Diese silbrig glänzende leicht stretchige Viskose (mit Polyanteil) habe ich als Rapport (1 Meter lang) im April auf dem Stoffmarkt gekauft und wusste sofort, dass daraus ein Kleid zur Silberhochzeit meiner Freundin werden könnte. Kombiniert mit einem Viskosejersey, sollte es aber auch nicht übertrieben festlich daher kommen.

Vorbild war ein Material-Mix-Kleid von MARC O'POLO, welches ich mir vor wenigen Wochen gekauft habe. Da ich nicht so gut improvisieren kann, habe ich also nach einem ähnlichen Schnitt gesucht. Passend fand ich dieses Top (Modell 28) in der Fashion Style 5/2015. Eine Zeitschrift aus der ich bereits vier Modelle genäht habe.
Das Nähen ging flott und unkompliziert. Ich habe das Top genau so viel verlängert, was der Rapport hergab. Den vorderen Saum habe ich mit der Hand gemacht - das Rückenteil aber mit einem elastischen Stich gesäumt. Ärmel und Halsbündchen sind aus Jersey.
Die Falte im Rücken ist bei dem Top nicht vorgesehen. Ich habe sie einfach beim Zuschneiden im Stoffbruch zugegeben und knapp 10 cm zugenäht.. Nach dem Motto "Ein schöner Rücken kann auch entzücken", habe ich den Faltenbeginn mit einem winzigen Silberanhänger betont. Vorn sind das abstrakte Muster, der Farbverlauf und der Glanz auffällig genug.
Zum Schluss noch ein ein Bild von der Feier mit der "Silberbraut", meiner längsten Freundin aus Kleinkindertagen. Sie hat ihr Kleid auch selbst genäht: Modell 12 aus Fashion Style 12/2016
Vor genau 25 Jahren waren wir Trauzeugen bei unseren Freunden und freuen uns, dass sie noch immer glücklich verheirat sind. Wir hatten einen wunderschönen Abend in bester Gesellschaft und haben viel getanzt. Und so reihen wir uns beide heute ein in die Riege der gut bekleideten Selbermacherinnen beim MMM, der heute von Wiebke in einem herrlichen, schwarzen Vintage-Kleid angeführt wird.

Mittwoch, 31. Mai 2017

Geflochten und geflucht

NEIN, es ist keine Empfehlung und JA, es ist ein schönes Flatterkleid geworden für Sommer, Sonne und 30°C, wie wir sie am vergangenen Wochenende hatten. Da sind auch die Fotos entstanden.
Gleich nachdem ich von Frau Küstensocke die schöne Paisley-Viskose im Tausch erhielt, war klar, dass es ein luftiges Sommerkleid werden muss. Ein feines Stöffchen und ganz meine Farben! Und als ich beim Wochenendeinkauf in der Burda 4/2017 blätterte, habe ich mich auf der Stelle in dieses Modell verliebt, ohne in dem Moment, den Nähaufwand zu erfassen. Ich hätte es allerdings ahnen können, den in der Bildunterschrift heißt es, dieses Model "ist jede Minute Arbeit wert..."

Das Grundkleid ist schlicht, es besteht aus Vorder- und Rückenteil, Ärmeln und Brustabnähern, zugeschnitten in Größe 40. Und jetzt kommt's: Zu den Schnitt-Teilen gehört eine Papierschablone, mit deren Hilfe man die geflochtene Passe hinbekommen soll.


Aber erst mussten 18 Schlaufen schön gleichmäßig rund um den oberen Halsausschnitt verteilt werden. Dann 18 Bändchen durchfädeln (deren Näherei meine Geduld schon arg strapaziert hatte).
Fragt nicht, wie viele Anläufe ich gebraucht habe, um diese dann an den Kleidmarkierungen festzustecken. Wobei ich zu diesem Zeitpunkt schon Futter- und Überkleid zusammengeheftet hatte und immer wieder vorsichtig zwischen beiden Teilen ein Stück Naht öffnete, um die Bandenden von oben dazwischen zu schieben. Alles klar soweit?

Also, ich wage mal die Behauptung,  ohne Schneiderpuppe schafft das kein Mensch!
Dann habe ich das gesteckte Konstrukt anprobiert und meine Tochter hat dann an der Frau nochmal die Bändchenlängen korrigiert.
Stunden später...
Ganz langsam habe ich schließlich mit der alles entscheidenden Steppnaht die Bändchen am Kleid befestigt, um dann festzustellen, dass die Abstände doch nicht ganz perfekt sind.
Das fällt aber dank des Musters nicht so auf. Das Teil aus Uni-Stoff ganz korrekt zu nähen, ist meiner Meinung nach fast unmöglich. Da nützt auch die ausführlich bebilderte Burda-Anleitung nicht viel.
Der Rest ging dann schnell. Oberkleid und Unterkleid sind mit französischen Nähten versäubert. Dazu einfache Säume an den unteren Kanten und Ärmeln. Da das Futter eine schöne grauschimmernde Viskose und durchaus vorzeigbar ist, habe ich mich entschlossen, unterschiedliche Längen zu säumen.
Ich habe es wirklich mehrfach zwischendurch bereut, mich auf dieses Projekt eingelassen zu haben, wild geflucht, mehrere Stecknadeln zerbissen und einen Nahttrenner kaputt gekriegt. Aber der schöne Stoff und die Motivation bei einem zauberhaften Nähtreffen haben mich durchhalten lassen. Trotzdem bleibe ich dabei: EINMAL UND NIE WIEDER.
Heute aber bin ich mit meinem "Flechtwerk" beim MMM dabei, der von Sybille im einem sehr schönen Mantelkleid angeführt wird.