Mittwoch, 12. April 2017

Meereskleid

Das schon seit zwei Wochen genähte "Meeres-Kleid" ist endlich fertig. Dem holländischen Stoffmarkt sei Dank. Der machte nämlich am Sonnabend bei uns Station und ich konnte endlich das noch fehlende Futter erwerben. Vormittags gekauft und nachmittags genäht:


Das elastische Futter passt farblich perfekt.
Dabei lies es sich gar nicht so einfach an mit diesem Stoff. Der lag schon eine Weile im Depot, sollte von Anfang an aber ein schmales, schlichtes, kurzärmeliges Kleid werden mit dem abstrakten Eisberg/Insel-Motiv am unteren Abschluss. Als ich mir den Druck genauer ansah, bemerkte ich aber, dass das mit dem Motivrand so gar nicht funktioniert, denn dann stehen die winzigen (gar nicht abstrakten) Häuser auf dem Kopf (roter Pfeil)

Der schwarze Pfeil zeigt den Beginn des neuen Rapports
Drehte ich den Stoff aber richtig rum, dann hätte ich die Bordüre mit den Bergen/Wellen/Wolken quer über der Brust drapiert... Das hätte dann ungefähr so ausgesehen:
Also habe ich den Streifen mit den Bergen über die ganze Stoffbreite abgeschnitten, herumgedreht und wieder angenäht. War das jetzt verständlich?  Erst dann habe ich den Schnitt aufgelegt und zugeschnitten. Das Kleid hat also an dieser Stelle eine Quernaht.
Ich habe mich für das Modell 24 aus der FashionStyle 8/2016 entschieden.
Nach dem geringfügigen Versetzen der Brustabnäher lies sich das Kleid dann recht einfach nähen. Die Passen im Rücken könnten theoretisch auch am Rückenteil dran bleiben. Ich fand aber, dass sie ein schönes Detail sind und man so noch ein wenig mit dem Farbverlauf spielen kann. Besonders freut mich, dass die spitzen Ausschnitte mit den Belegen hinten und vorne recht akkurat geworden sind.
Der Stoff ist ein Baumwollsatin mit Elastananteil und dehnbar. Also habe ich auf den Reißverschluss verzichtet. Ich kann das Kleid auch ohne problemlos anziehen, zumal ich es nicht hauteng genäht habe. Allerdings würde ich jetzt bei den Bildern sagen, dass es im Brustbereich und oberen Rücken schon noch ein wenig enger sitzen könnte (und ich vielleicht dann doch den Reißverschluss brauche???). Aber es bleibt jetzt so und fällt  halt ein wenig leger. Da kann sich der Sonntagsbraten nicht gleich abzeichnen.
Apropos - das sollte eigentlich mein Kleid für das große Familien-Osteressen bei meinen Eltern sein. Nun sind leider kümmerliche 8 Grad und Regen angesagt, hm. Aber Nordmeereisberge passen da auch schon wieder und ein Cardigan für darüber findet sich sicherlich. Doch heute bin ich damit erstmal beim MMM dabei, der heute von Dodo angeführt wird, die ich wegen ihrer vielen tollen Röcke bewundere. Heute trägt sie wieder ein wunderschönes Exemplar. Klickt Euch mal rein.

Zusammenfassung:
Stoff: BW-Satin mit Elastan, Sonderangebot bei Karstadt 10€/m
          elastisches Futter vom Stoffmarkt 7€/m
Schnitt: Modell 24 aus FashionStyle 8/2016
Ich habe ohne größere Änderungen Größe 40 genäht. Klassischer Schnitt, der je nach Stoffwahl elegant oder lässig wirken kann.
Fotos: die Tochter

Mittwoch, 29. März 2017

"Hermès"-Rock

Mit diesem schwingenden Rock bin ich heute als Gastbloggerin beim letzten MeMadeMittwoch im März unterwegs.
Bereits vor einiger Zeit habe ich mich in diesen Stoff verliebt, weil er mich sofort an die berühmten Hermès-Tücher erinnert hat. Also habe ich ihn gekauft, obwohl er zu 100 Prozent aus Polyester besteht. Muster schlägt Material, nenne ich das. Wobei ich Blindfisch das Design für Gürtel und Ketten gehalten habe. Erst meine pferdebegeisterte Tochter klärte mich auf, dass da doch Steigbügel und Trensen drauf seien - aha.
Da mir die Röcke von Dodo immer sehr gefallen, wollte ich gern einen ähnlichen nähen. Er sollte weit und lang sein und so habe ich die zwei Meter komplett ausgenutzt. Der Schnitt ist Modell 31 aus der FashionStyle 5/2015.
Nach dieser Zeichnung habe ich mir selbst einen Papierschnitt erstellt, 20 cm verlängert, 8 große Falten gelegt und (statt geradem Bund) meinen eigenen Formbund ergänzt. Da der Stoff etwas durchscheinend ist, habe ich den Rock mit einem Viskosefutter versehen.
Sehr glücklich war ich darüber, den Saumabschluss bei dem rutschig-glatten dünnen Stoff so gut hinbekommen zu haben. Dank an Doreen, die mir dabei geholfen hat.


Kurz nach dem Nähen war ich mir unsicher, ob die Länge so bleiben sollte, da das Muster doch sehr auffällig ist. Aber mit einem schlichten Shirt (genäht nach einem gut sitzenden Kaufshirt) und dem hellen Strickjäckchen (gekauft, da ich bekennende Nichtstrickerin bin) fühle ich mich sehr wohl. Sogar einen passenden dunkelblauen Gürtel habe ich gefunden. Und wenn es richtig warm wird, trage ich meinen "Hermès"-Rock mit flachen Ledersandalen.

Zusammenfassung:
Stoff: Polyester, Onlineversand-Schnäppchen (ich weiß nicht mehr wo, stoffe.de?) 7€/m
          Viskosefutter (10 €/m)        
Schnitt: Modell 31, Fashion-Style 5/2015

Montag, 20. März 2017

Einsame Spitze

"Einsame Spitze" - das ist der Titel einer halbstündigen Doku, die morgen Abend um 20.45 Uhr im MDR ausgestrahlt wird. Ich mache heute also mal Werbung fürs Öffentlich-Rechtliche und damit auch für einen besonderen Stoff. Es geht um Plauener Spitze. Und wer dabei jetzt an Gardinen und Omas Spitzendeckchen denkt, liegt gar nicht so falsch. Trotzdem verbirgt sich dahinter viel mehr. Als Nähbegeisterte und Stoffliebhaberin war ich erstaunt, was heute aus den filigranen Geweben entsteht. Oder habt Ihr schon mal einen gestickten Stadtplan auf einem Abendkleid oder eine Clutch gesehen?
Quelle: Werkblende/MDR
Die Dresdner Designerin Anett Krause von NOX Modedesign hatte die Idee, Stadtpläne auf Kleider,  Tops und Handtaschen sticken zu lassen.
Quelle: Werkblende/Linda Süß
Der Finger zeigt übrigens auf die Semperoper und recht daneben das auffällige "Gebilde" ist der Dresdner Zwinger.


Quelle: Werkblende/MDR
In den wenigen kleinen Betrieben rund um die vogtländische Stadt Plauen laufen oft noch die hundert Jahre alten Maschinen, zuverlässig und akkurat, so wie hier bei der Firma von Horst Dotzauer:
Quelle:Werkblende/Linda Süß
Hier gibt es einen kleinen Vorgeschmack auf den Film und wenn ihr den verpasst habt, dann empfehle ich die MDR-Mediathek.
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Sonntag, 12. März 2017

Stoffdiät - 1.Zwischenstand

Als Küstensocke im Januar zur Stoffdiät aufrief, war ich sofort dabei. Inzwischen bemühen wir uns schon seit zwei Monaten, Stoffvorräte abzubauen, weniger oder nichts zu kaufen und uns gegenseitig zu motivieren. Alle, die dabei sind verlinken ihren Zwischenstand hier.
Ich habe für meine Verhältnisse viel genäht, auch wenn andere noch mehr geschafft haben. Zuletzt ist dieses Shirt nach dem Schnitt Tante Hertha (echtKnorke) fertig geworden.

 Der Clou sind die selbstgemachten Paspeln aus Lederimitat. Dazu passend auch das Halsbündchen. Der Hahnentrittstoff ist ein leicht stretchiges Polyesther-Viskose-Gemisch und fällt sehr locker. Die Schwägerin hat das Shirt gestern zum Geburtstag bekommen. Volltreffer :)
Es ist das dritte Teil nach dem Tante-Hertha-Schnitt, die anderen beiden seht ihr hier und hier. Die Sweater schlagen also schon mit 4,50 m beim Stoffverbrauch zu Buche 👍
Da es diesmal um ungeliebte Stoffe geht, habe ich zwei Stapel BW-Stoffe, Jersey und Fleece zusammengesucht und einen dritten Haufen mit größeren Resten. Alles zusammen ist schon auf dem Weg zu einem Mütter-Nähcafé, wo sich vor allem Flüchtlingsfrauen treffen. Meine Stoffspende ist da sicher in guten Händen.

Meine bisherige Bilanz in Zahlen:

Vernäht:
11 Meter für 7 Projekte (3 Sweatshirts, eine Patchworkdecke + Kissen, ein Kinderkleidchen, einen Latzrock und ein noch nicht verbloggtes Strickjäckchen)

Verschenkt: 
10 Meter diverse Stoffe und eine Tüte Reste für den Nähtreff in einem Dresdner Familienzentrum

Gekauft:
1,5 Meter Cord für den Wunsch-Latzrock der großen Tochter, sofort vernäht
1 Meter Cord für eine Latzrock-Wiederholung, schon zugeschnitten

ursprünglicher Stoffbestand 87,0 m
                        Neuzugang     2,5 m
                        Abgang         21,0 m

Es bleiben 68,5 m Stoff im Lager.

Ich bin immer noch sehr motiviert und mit meinem Memo im Handy habe ich meine Stoffbilanz immer dabei. Die Kaufhausstoffabteilung habe ich letztens nur mit Nähgarn verlassen.
Ein Wochenende mit anderen Näh-Mädels steht nun an und Pläne für weiteren Stoffabbau gibt es auch mit denen ich es unter die 60 m-Marke schaffen könnte:

2 Röcke für Frühling/Sommer
Latzrock Nr. 2 für die Tochter
Kurzarmshirt aus Lederimitat
Jerseykleid

Dienstag, 7. März 2017

Latzrock

"Ich hätte gern einen Latzrock!" Mit diesen Worten überraschte mich kürzlich meine große Tochter, die bisher alles, was einen Latz oder Träger hatte, schrecklich fand.
"...und er soll bitte aus grünem Cordstoff sein." O-ha - dieses Gewebe gehörte bisher zu den absoluten Geht-gar-nicht-Stoffen bei ihr... Aber da die Wünsche des großen Mädchens selten und für die Mutter eine Herausforderung sind, habe ich mich auf die Suche nach einem Schnitt gemacht. Bei Selmin von Tweed&Greet  und ihrer Version des Schnittes Cleo (Tilly and the Buttons) bin ich schließlich gelandet.
Mit 20€ (einschließlich Versand) ist der Schnitt nicht gerade günstig, aber er kommt auf festem Papier und die Beschreibung ist ausführlich und gut bebildert und deswegen durchaus für Anfänger geeignet. Es gibt verschiedene Taschenvarianten und eine Schlitzoption. Ich habe zwei Taschen hinten aufgesetzt und eine größere vorne auf den Latz. Ein Reststück BW-Schrägband fand sich noch und reichte gerade, um die Belege ordentlich zu versäubern.




Da der Rock keine seitlichen Verschlüsse hat, sitzt er in der Taille recht locker. Aber gerade das macht ihn lässig und er gefällt der Tochter genau deshalb sehr. Ihre Freundinnen waren auch begeistert und nun hat sie schon Nummer 2 bestellt: aus dunkelblauem Cord. Da ist doch schon mal klar, was es zu Ostern gibt...
Bei Jenny von exclamation-point findet Ihr übrigens auch eine schöne Cleo-Version aus bordeauxrotem Cord und ein paar gute Tipps, wie man aufgesetzte Taschen perfekt hin bekommt.

Zusammenfassung:
Stoff: grüner, leicht stretchiger Feincord von Karstadt (15 €/m) - benötigt habe ich 1,10m
Schnitt: Cleo von Tilly and the Buttons (20€ mit Versand)

Ratz-Fatz-Fertig-Projekt mit großem Wiederholungspotential!


Verlinkt bei Creadienstag  

Mittwoch, 1. März 2017

Maritimer Sweater

Ich bewundere immer die vielen Frauen, die sich beim MMM (wo uns Mema heute schon ihre Frühlings-Reise-Garderobe zeigt) im kompletten Me-made-Outfit präsentieren. Mir gelingt das eigentlich nur im Sommer, wenn Kleider (ohne weiteres Beiwerk) reichen, um angezogen zu sein. Heute habe ich es auch geschafft: Hose und Sweater sind selbst gemacht.

 Der Sweater ist eine maritime Variante des Schnittmusters "Tante Hertha" von echtKnorke. Nachdem ich das erste Modell noch während des Nähens an die Tochter verlor, ist diese Version wirklich für mich.

Und ich habe meine gut gefüllten Restekisten wieder lieben gelernt. Denn nach einigem Probieren habe ich mich für Jerseypaspeln aus einem blau-weiß gestreiften Rest entschieden.
Trotzdem wirkte der fertige Sweater etwas langweilig. Ich habe ihn mit einer aufgenähten weißen Kordel gepimpt. Das Aufnähen mit durchsichtigem Nylonnähfaden während des Tatortes am Sonntag im schummrigen Fernsehlicht war allerdings der Hass... Die Idee habe ich schon vor längerer Zeit mal bei Stef von SeaofTeal gesehen (sie hat statt Kordel Paillettenband genommen) und abgespeichert.

Die Hose ist ein wirklicher Altbestand. Die habe ich bereits vor 6 Jahren genäht: Modell 117 aus Burda 4/2011. Der BW-Stoff ist von jeansähnlicher Struktur und durch den Elasthananteil leicht stretchig. Sie trägt sich dadurch sehr bequem. Das ist übrigens meine einzige selbst genähte Hose bisher. Warum ich allerdings diesen sichtbaren Reißverschluss statt eines Nahtreißverschlusses eingenäht habe, weiß ich heute nicht mehr. Burda empfiehlt Ripsband als Bund - ich habe einen einfachen Bund aus Stoff genäht.
 Ich habe die Hose nach unten sehr schmal auslaufen lassen. Allerdings war sie wegen Stoffmangel etwas kurz geworden und 7/8-Längen sind eher nicht so meins. Die simple Lösung des Problems sehr Ihr hier im Detail:

Apropos Meer: Ich habe für alle Nordlichter, oder jene, die dort in nächster Zeit Urlaub machen noch einen Ausstellungstipp in der Rostocker Kunsthalle:
 "Sibylle". Das war eine sehr gute, nur mit Mühe oder Beziehungen zu ergatternde Mode-Zeitschrift in der DDR. Sie erschien von 1956 bis 1995 (ich besitze einige Hefte, aber erst ab 1985).













  Großartig ist der Ausstellungsteil über die Fotografen. Denn es war die Crème de la Créme dieses Genres, die für die Sibylle gearbeitet haben. Die so entstandenen Modefotos sind wahre Kunstwerke, manche zeitlos und andere wiederum starke Sittengemälde des DDR-Alltags. Die Ausstellung (bis 17.4.) erklärt aber auch das Scheitern der Zeitschrift, die sich über 30 Jahre lang der Zensur widersetzt hat, sich aber auf dem freien Markt nicht behaupten konnte. Am besten, Ihr seht selbst.




Bis zur Wende beinhaltete jedes Sibylle-Heft auch eine kleine Schnittmusterauswahl. Irgendwann wage ich mich mal an solch ein Retro-Experiment und werde hier berichten.

Zusammenfassung:
Schnitt Sweater: Tante Hertha von echtKnorke, Größe 38
Stoff: Baumwollsweat (linke Seite leicht angeraut) von Buttinette (10,95 €/m)
Schnitt Hose: Modell 117, Burda 4/2011 Größe 38
Stoff: feste Baumwolle mit Elasthan vom Stoffmarkt (8,00 €/m)